jour fix 1988-1991
 
Café Einstein
Tisch 133 Protokolle
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Die Idee zum ersten Jour Fix entstand aus dem persönlichen Motiv in dieser Stadt ein überschaubares Umfeld zu schaffen, um Themen im Gespräch kontinuierlich zu bearbeiten und die eigene Sprachlosigkeit zu überwinden. Berlin erschien mir in den ausgehenden 80ern in einem geistigen Koma zu liegen, was mich motivierte neue Prozesse in Gang zu bringen. Gespräche in Basel, die eine dialogische Kultur pflegten und nach dem Tod von Beuys sozialplastischen Fragestellungen nachgingen, inspirierten mich dazu, das Gespräch als Gestaltungsform aufzugreifen. Die Ereignisse um den 9. November 1989 unterstützten diese kleine "soziale Plastik" auf besondere Weise und das Modell "runder Tisch" lag damit voll im Trend. s.h.e. 2005

Die Architektur des Gesprächs

Ein sich schnell veränderndes Umfeld setzt Dialogbereitschaft voraus. Die Kommunikation ist und bleibt ein wichtiger Prozeß in einer modernen
Gesellschaft. Gespräche sind darin ein wesentlicher Gestaltungsfaktor,
der sich als strukturaler Bestandteil durch fast alle Bereiche der
Stadtentwicklung zieht. Seien es die Gespräche zwischen:Architekten /
Investoren / Politikern / Bevölkerung . . ., überall ist es die
"Gesprächskultur", die in einem gewissen Maße darüber entscheidet,
was zustande kommt. Vor dem Hintergrund eines demokratischen
Gesellschaftsmodells erscheint die Frage nach Partizipation hinfällig, und dennoch wird sie nur in seltenen Fällen praktiziert. Dies zeigt sich in besonderemn Maße im heutigen Berlin, wo viele Fragen in den Bereichen der Schnittstellen und Überlappungen auf Grund einer unterschiedlichen Ausgangslage von Ost/West noch als weitgehend unbearbeitet brach liegen. Die Architektur erscheint in diesem Zusammenhang als Verbindungsglied und bleibt aufgefordert, sich der Bedürfnislage auf neue und aktuelle Weise zu öffnen. Dem Gespräch kommt in solch einem Prozeß eine besondere Rolle zu, und eine wichtige Grundlage für eine derartige Gesprächskultur wäre die Einsicht, daß in einem Gestaltungsprozeß nicht immer die schnelle Antwort das gewünschte
Ergebnis zeitigt, sondern ein Vertrauensverhältnis, das auf der Basis
gegenseitiger Offenlegung und Befragung eine Atmosphäre der angeregten
Partizipation schafft. Eine Atmosphäre, in der sich unfertige Gedanken und spontane Eingebungen neben vorgefassten Konzeptionen als wichtige Bausteine eines gemeinsamen Ganzen entwickeln können.
Aus "aspekte ephemerer architektur" s.h.e. 1991